Dieses Blog durchsuchen

Translate

Dienstag, 7. Mai 2013

Die Rahmendaten werden konkret

"Liebe Viktoria & Benjamin,
Ich hoff, Ihr seid wohlauf, glücklich und erwartungsfroh."

Und was dann so alles kam, hat mir einfach die Sprache verschlagen. Wer mich kennt, weiß, dazu benötigt es schon einiges.

Am 19.04. formulierten wir gemeinsam unsere Vorstellungen zum Aufenthalt in Brasilien. Nicht ohne immer wieder darauf hinzuweisen, dass diese Zusage aus Brasilien für uns alles andere als Normal ist. Nur noch Mal zur Erinnerung, vom ursprünglichen Gedanken einer Weltreise hat nur noch "das Reisen" und "in die Welt" mit dem zu tun was uns hier erwartet.

Freiwilligen-Arbeit:
Für Vicky besteht die Möglichkeit in einem großen Projekt für sozial benachteiligte Kinder, einem Altenheim oder einer lokalen Initiative in der Alten-Pastoral als Physiotherapeutin eingesetzt zu werden.

Für mich hat Martin Aufgaben in verschiedenen administrativen Bereichen, unter anderem IT, Entwicklung bzw. Umweltfragen.

Ich glaube, dass wir damit in den Bereichen unterstützen können, die uns am besten liegen. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass wir in Brasilien erst feststellen werden, was genau uns erwartet. Also, erwartungsfroh bleiben :-)

Wohnen:
Das war der Part, der mich so sprachlos gemacht hat. Unser Wunsch war es statt für Geld für Essen und einen Platz zu Schlafen mit zu helfen. Und genau das ist passierte.

Unsere oberöstereichischen Brasilieros kümmern sich um schlafen und essen.

Für den ein oder anderen hört sich das nach nichts an, für mich aber nach viel mehr, als ich mir je zu Träumen erhofft habe.

Samstag, 20. April 2013

... und die Wohnung? In Deutschland weg, in Brasilien organisiert :)

Das zweithäufigst gefragte Thema (nach der Arbeit) ist dann "und was macht ihr mit eurer Wohnung?"

Das war auch eine längere Diskussion zwischen uns - die schlussendlich zum Entschluss geführt hat, diese aufzulösen. Wie kams?
Zuerst hatten wir lange überlegt, die Wohnung unterzuvermieten. Wäre ja auch praktisch - die Möbel blieben erhalten, wenn wir zurückkommen ist da sofort ein Platz für uns...
Aber zum Einen waren wir zu uninformiert bezüglich der Rechtslage; und zum Anderen: wenn man die Wohnung untervermietet, und es ist in der Zeit der Abwesenheit irgendein Schaden oder Ähnliches - hängt man doch mit drin, und das von Brasilien aus zu regeln wäre dann doch bisschen schwierig geworden.

Daher kam dann irgendwann die Entscheidung, dass es sinnvoller ist, die Wohnung aufzulösen. Und außerdem erübrigen sich dann Gedanken wie "ach, die Wohnung zu Hause... wie gemütlich wär die jetzt"...  Die Möbel? Die, die wir unbedingt behalten wollen, können wir unterstellen. Und die restlichen - die werden weitergegeben - z.B. an meinen Bruder, der mit seiner Freundin zusammenziehen möchte... etc. Und so finden die weiterhin Verwendung, ohne gleich auf dem Müll zu landen. Ein echt schöner Gedanke.

Und wies weitergehen soll, bei der Rückkehr? Nun, zum Einen können wir vielleicht ein od. zwei Nächte mal im Stift unterkommen. Zum anderen haben unsere Familien uns zugesagt, dass wir auch bei ihnen fürs Erste mal für ein paar Nächte unterkommen können - bis wir uns dann weiter orientiert haben. Daher sind im Bezug darauf die Sorgen quasi nicht vorhanden.

Nach der Rückkehr von Sr. Sabina nach Brasilien wurde die Kommunikation per E-Mail wieder aufgenommen - und am 12.4. bekamen wir die frohe Nachricht, dass wir bei ihnen, in der Diözese Barreiras arbeiten und wohnen dürfen. Das war eine RIESENfreude. Und für uns auch eine echte Erleichterung, fix zu wissen, wohin man kommt, und dass man die Leute dort schon kennt! So begann dann auch der ganze Papierkram (welche Dokumente müssen fürs Visum eingereicht werden, Übersetzungen beantragen... etc. etc.), den dankenswerterweise Ben übernommen hat.

Freitag, 5. April 2013

Und die Arbeit?

Immer wenn ich von unserem Vorhaben, für ein Jahr in Barreiras (Ausgesprochen: Baheiras) in Brasilien zu helfen kommen fast schon reflexartig zwei Reaktionen. Die erste lautet: „WARUM?“ Darauf hoffen wir hier in diesem Blog etwas besser, schneller und vor allem nachhaltiger Auskunft geben zu können.

Die zweite Reaktion lautet: „Und die Arbeit?“

Im Blog „Die Suche geht weiter, und das Leben erst so richtig los“ hat Vicky ja beschrieben, dass der Wunsch ins Ausland zu gehen bei ihr über die Jahre gewachsen ist. Und so kam es, dass Sie mich mit diesem Wunsch konfrontierte, als ich gerade ein paar Monate meine neue Arbeitsstelle bei der SHS VIVEON AG angetreten hatte.

Mein erste Gedanke war: „Irgendwohin, helfen. Was Sinnvolles machen!“ der Zweite: „Wie erklär ich das meinen Chef?“  Der erste Wunsch, wurde erst einmal von Vicky geblockt und benötigte Zeit um zu reifen (siehe ihren Blogeintrag "Die Suche geht weiter..."). Beim zweiten Gedanken, musste ich mich entscheiden. Entweder alles auf die lange Bank schieben und kurz vor knapp irgendwas übers Knie brechen, oder volles Risiko eingehen und offen und ehrlich berichten.

Ich entschied mich für ersteres. Ganz klar, das war nicht die Art von Gespräch die meinen  Chef zu Freudensprüngen animierte. Aber mein Gewissen sagte mir, ich müsse einfach alle Karten offen auf den Tisch legen: „6 oder 12 Monate, dass wissen wir noch nicht genau. Vielleicht ein halbes Jahr Reisen und ein halbes Jahr in UK oder IR (Das daraus im Februar 2013 Brasilien wurde, konnte da ja noch keiner ahnen). Ich will weiterhin für SHS VIVEON arbeiten und das auch nach meiner Rückkehr machen, aber ich kann auch verstehen, wenn er mich sofort nach Hause schickt.“

Nach etwas Bedenkzeit meines Chefs die Nachricht, OK wir bekommen das hin!

Und so saß ich nun, am 02.04.2013, beim Zielvereinbarungs- und Weiterentwicklungsgespräch und bekam einen Sabbatical-Vertrag in Aussicht gestellt. Wie dieser genau aussieht, wussten wir zwar noch nicht, aber auf zusagen von meinem Chef konnte ich mich bisher immer verlassen.

Sonntag, 31. März 2013

Ein ganz besonders Buch

Was in den beiden Posts so unglaublich schnell klingt, war wirklich so rasend.  Zu Weihnachten schenkte uns Leopoldine, meine Schwiegermutter, einen Kalender mit dem Titel "Veränderungen" von Paulo Coelho. Dieser Kalender ist für mich als Mann erst Mal einfach nur Bunt!

So Bunt, dass ich ihn fast nie benutzt hätte. Eigentlich um meiner Frau zu zeigen wie wunderbar jeder einzelne Tag ist, schlug ich vor, dass sie jeden Tag ein gutes Erlebnis in diesen Kalender schreiben soll. Ihr Bedinung, nur wenn ich mit mache. OK, kein Problem.

Der erster Eintrag am 27. Januar 2013 enthält einen Auszug eines Gesprächs mit dem jetztigen Rektor der Realschule in Alöttting nach dem Gottesdienst und ob er nicht irgend eine Adresse hätte.

Titel des Monats Februar "Größe". Start direkt mit dem X-Fest.
Titel des Monats März "Erfahrung". Nach der wunderbaren Begebenheit mit Schwester Sabina ging es mit einem "Deeper into Worship" Wochenende in Innsbruck weiter. Das war ein Wochenende, dass für mich klar machte, es wird Brasilien. Für mich gab es keinen Zweifel. So verrückt es sich anhört, selbst die gezogene Bibelstelle bestätigte mich "So sollst Du erkennen, dass ich der Herr bin, der Dich bei Deinem Namen ruft, ich, Israels Gott." (Jes 45,3).

Aber auch Schmerz zählt zu den Erfahrungen. Voller Begeisterung und Feuer erzählte ich Marko, von den letzten Wochen und überfuhr Ihn schlichtweg. Die Verletzung sollte uns später noch beschäftigen. Ehrlich gesagt bin ich aber sehr Dankbar dafür, dass er uns die andere Seite der Medalie gezeigt hat, nämlich, dass es Menschen gibt, die uns vermissen werden.

Die Zeit bis Ostern war noch erfüllt von wunderbaren Begegnungen mit meinen Eltern, Susi, Marko, Florian und Miriam und vielen mehr.

Mittwoch, 13. März 2013

Aller guten Dinge sind 3... und ein Vorstellungsgespräch

... und genau 3 E-Mails und ein Treffen zu dritt waren der Weg zum Voluntariat.

Aber von vorne:
Nach der Rückkehr von Kremsmünster gings erstmal ans E-Mail schreiben. Gar nicht so einfach - wir kannten unsre Ansprechpartner nicht (genauso wenig wie sie uns :) ), und dann einfach mal ganz frech fragen, ob sie denn nicht Platz und Arbeit für ein junges, engagiertes Ehepaar hätten, das bei ihnen mithelfen möchte...

Naja, und nach 2 E-Mails, die recht interessiert und positiv klangen plötzlich E-Mail Nr. 3: Sr. Sabina (eine der drei Hauptverantwortlichen) kommt aus privaten Gründen nach Oberösterreich, genauer nach Steinerkirchen, und würde uns dort gerne treffen und kennenlernen. Die Freude von unsrer Seite war riesig!

So kams, dass wir uns am 12. März abends im Kloster Steinerkirchen mit ihr treffen durften (nach der Vesper), und sich ein langes, lustiges und sehr intensives Gespräch über unsere Beweggründe, unsere und ihre Lebengeschichte und Gott und die Welt ergab.
Irgendwann kam dann aber doch meine Ungeduld durch (wir hatten nebenbei nämlich auch noch die Organisation Famundi im Auge, falls uns Brasilien ablehnen würde - und die hätten Ende März Bewerbungsschluss gehabt) - und ich fragte recht grad heraus, wie denn allgemein unsere Chancen stehen.

Und die schönste Aussage "Ich werde mich auf jeden Fall einsetzten, dass ihr zu uns kommt. Und wenn das nicht geht, dann besorgen wir euch einen anderen Platz für ein Voluntariat in Brasilien."
YES! Da fiel ein doch ordentlich großer Stein vom Herzen...

Montag, 4. Februar 2013

Die Suche geht weiter, und das Leben erst so richtig los

So, und wie nun die Brücke zum jetzigen Moment schlagen? Das gestaltet sich etwas schwieriger...

Natürlich könnten wir hier den ganzen Glaubensweg mit den einzelnen Schritten erzählen - aber dies würde mehrere Seiten in Anspruch nehmen, und eigentlich solls ja dann doch um den Aufenthalt in Brasilien bzw. momentan noch die konkreten Vorbereitungen gehen...

Also nur ein kurzer Abriss, wies jetzt tatsächlich dazu kam:
Nachdem wir nach Taizé über "Zufälle" und Ähnliches die Loretto Gemeinschaft in Österreich für uns entdeckt hatten und in und mit dieser, vor allem im Gebetskreis Braunau wuchsen, durfte ich letzten November beim Christkönig-Festival mit der Querflöte mitspielen.
Warum das interessant ist? Weil ich dort ganz viele liebe Menschen kennenlernen durfte, die inzwischen aus meinem/unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind.

Zeitgleich hatte sich über die Jahre in mir der Wunsch entwickelt, nach dem Staatsexamen als Physio nochmal in die weite Welt zu reisen - zuerst war dies tatsächlich als Weltreise gedacht; aber irgendwie änderte sich nach Christkönig dieser Reisewunsch in den Wunsch, auch was sinnvolles zu tun.

Und genau diese Freunde vom Festival luden uns zum Treffpunkt Benedikt im Stift Kremsmünster ein. Ein Jugendtreffpunkt. In einem Kloster... Kloster??!? Für mich war dieses Wort bis dahin mit Vorurteilen wie Langeweile, Alte Mönche, Strenge Regeln... etc. behaftet. Aber nachdem die Einladungen immer mehr wurden, und sich im Februar die günstige Gelegenheit ergab, den Treffpunkt mit dem am Vortag stattfindenden X-Fest (in Linz) zu verbinden, hatten wir auch keine Begründung mehr, nicht hinzufahren, da Kremsmünster von Linz nur 45 Minuten entfernt ist.

 So kams, dass wir dann an besagten 1. Februar in Linz am x-Fest waren, frühmorgens ins Bett kamen und naja, Schlaf und Gruppenräume... Ein Widerspruch in sich :).
Dementsprechend waren wir so derartig dankbar, als Martin dann kam und meinte "was haltet ihr von der Möglichkeit einer warmen Dusche, einem Bett für den Nachmittag und einem leckeren Mittagessen - im Kloster?" Das klang einfach nur himmlisch!


Und so wars dann auch - wir durften nach dem Mittagsgebet in Kremsmünster zu Mittag essen - und dabei Pater Franz, den Gast- und Küchenmeister des Stifts kennenlernen. Es sei zu erwähnen, dass P.Franz den Eindruck, den ich bis dahin von Mönchen hatte DERARTIG über den Haufen warf... Denn er war jung, lustig, gesellig und NICHT IM GERINGSTEN langweilig!
und einer Eingebung folgend ("Klöster haben doch immer was im Ausland") fragten wir ihn dann genau danach... Und Volltreffer! Kremsmünster hatte tatsächlich einen Missionsstandort in Brasilien aufgebaut - genauer gesagt in Barreiras...


Es sind zwar momentan direkt keine Mönche mehr drüben, jedoch besteht der Kontakt noch... und daher
organisierte uns P.Franz nach dem Treffpunkt die Kontaktdaten zu P.Arno, der wiederum uns die E-Mail Adressen der Verantwortlichen in Brasilien gab... so kam der Stein ins Rollen...


Sonntag, 20. September 2009

Wie alles begann - Teil 2

Taizé - September 2009. Ankunft nach ca. 10 Stunden Autofahrt um ungefähr 18 Uhr. Natürlich reisten wir nicht mit irgendeiner Gruppe. Wir hatten schlichtweg keine Ahnung wann, wer, wie von Burghausen nach Taizé fahren würde und das noch dazu am Ende der bayerischen Ferien. Ab zur Anmeldung: "...Baut erst mal euer Zelt auf, ist noch genug Zeit bis zum Essen...".

Essensschlangen in Taizé
Gesagt, getan. Was uns überhaupt nicht klar war, wer in Taizé auch nur 15 Minuten zu spät zum Essen kommt kann unter Umständen leer ausgehen. Und genau das passierte uns. Wir kamen pünktlich als die letzte Schlange zu machte. Auf die Frage wo wir noch etwas zu Essen bekommen, kam ein wager Fingerzeig Richtung "Darwinistische Essensausgabe" aber auch dort gab es nichts mehr. Wahrscheinlich sah man uns den Hunger an und so zauberten die Jugendlichen irgendwoher noch zwei Dosen Tunfischsalat, einen Apfel und Zitronentee. So ausgerüstet starteten wir zu den Bänken richtung Zelt als uns ein fröhlicher Mensch entgegen kam und rief: "Hello! It's nice that you are here!"

Wer zum... Nein, wir kannten ihn nicht. Benjamin aus USA war selber an diesem Tag angereist und freute sich einfach. Dieses Verhalten war an sich schon etwas eigenartig. Nachdem wir von unserer Geschichte mit dem Essen erzählt hatten, fand sich schon einmal ein Keks mehr auf unserem Tablet. Als wir saßen gesellten sich noch ein paar Französinnen zu uns und überließen uns auch noch das ein oder andere. Alle wurden satt, vorallem wir. Und alle waren so freundlich.

Altar und Kreuz
Theoretisch könnte man alleine mit den Taizegeschichten einen ganzen Blog füllen, aber dieser Einstieg sollte sympthomatisch für den gesamten Aufenthalt sein. Drei Mahlzeiten, drei Gebete, ein Zelt und viele hundert junge Menschen, die eines gemeinsam haben - Die Suche nach Gott. Mit ein paar von diesen Menschen haben wir glücklicherweise bis heute Kontakt. Und diese Menschen haben alle einen kleinen oder großen (Kathie) Anteil zu unserer Veränderung beigetragen.

Was mit einem in Taizé passiert, lässt sich nur schwer beschreiben. Am ehesten noch so: Wenn man wirklich will, hat man die Chance auf ein Date mit Gott. Bei mir war es am Mittwoch in der Stille soweit. Das Gefühl so geliebt zu werden wie man ist. Das Gefühl etwas gefunden zu haben, von dem man gar nicht wusste wie sehr man es vermisste.

Und deshalb suchten wir zurück in Bayern nach einem Weg weiter. Irgendwo mussten die vielen Menschen doch wohnen, die wie wir in Taizé waren und eine Sehnsucht in sich trugen.

Einmal sind wir bis 2013 nach Taizé zurückgekehrt und zwei Mal zu den europäischen Jugendtreffen nach Polen (2009/2010) und Berlin (2011/2012).