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Freitag, 29. August 2014

Die Weihung eines Altars

So etwas kommt bei uns in Deutschland nicht mehr ganz so häufig wie hier, in einer Diözese, in der sich einige Kirchen im Bau befinden, vor. Von daher waren wir sehr gespannt, was genau dort passieren würde bei der Einweihung der Kirche, bzw. der Weihung des Altars.

Noch in den Tagen vorher wurde fleißig gebaut, gemalert und geputzt, damit die Kirche am Tag der Einweihung vorzeigbar ist. Dementsprechend groß war auch bei den Verantwortlichen die Stimmung. Aber wie durch ein Wunder war die Kirche am Tag der Weihe quasi fertig. Die Kirche Sao Bento (hl. Benedikt) ist eingebettet in das Memorial für den ersten Bischof von Barreiras, Dom Ricardo Weberberger. Bischof Richard kommt gebürtig aus Österreich und ist als Benediktiner aus dem Kloster Kremsmünster hierher in die Mission entsendet worden.

Wir haben ihn leider nicht mehr kennengelernt, da er 2010 an einem Gehirntumor in Österreich gestorben ist. Da waren wir kurz vorher gerade mal in Taizé. Wie sehr dieser Mann aber hier verehrt wird, ist uns schon öfter aufgefallen. Und da die Reise nach AT für viele die ihn verehren einfach zu kostspielig ist, hat das Stift Kremsmünster ein besonderes Geschenk für die Barreirenses mitgebracht: Erde aus dem Grab von Dom Ricardo.

Das Memorial und die Kirche entstanden mit großzügigen Spenden des Landes Oberösterreich sowie dem Stift Kremsmünster. Den Rest muss die Diözese Barreiras selbst aufbringen.


Der Verehrung und den Geldgebern entsprechend war das Aufgebot an diesem Tag sehr groß: Zwei Bischöfe, zwei General Vikare (Davon einer aus der Diözese Linz) und zwei Mönche aus Kremsmünster (von denen wir ja schon berichtet hatten) und natürlich möglichst alle vom Klerus, die an diesem Tag Zeit hatten, gaben sich die Ehre. P. Siegfried durfte am Ende auch einen Brief auf Portugiesisch zum Besten geben – mit dezentem österreichischem Dialekt.

Die Altarweihe lief dann so ab: Zuerst wurden die Reliquien in ein kleines Fach unter dem Altar eingemauert. Dazu legte sich der Dom Josafá einfach mal platt auf den Bauch (Zitat eines österreichischen Besuchers: „So was hab ich ja noch nie gesehen“). Anschließend wurde der Altar mit 5 Kreuzen mit gesegnetem Öl gesalbt. Die Kreuze wurden dann noch mit Öl verbunden und verwischt. Anschließend noch etwas Weihrauch, Segen und Deko und schon kann die erste Messe auf dem Altar zelebriert werden.

Nach der Messe noch die Danksagungen und anschließend für geladene Gäste zum Essen ins Hotel Rio Grande.

Danach waren wir so erschöpft, dass wir mit den drei Österreichern auf ein Chácara fuhren um uns zu entspannen. Das letzte Mal, bevor diese am nächsten Tag nach einem kurzen Marktbesuch und Mittagessen sich wieder auf die Rückreise machten.

Mehr Bilder gibt´s auf der Seite der Diözese Barreiras (www.diocesedebarreiras.org.br)


Mittwoch, 27. August 2014

„Prometo!“ Von einem Versprechen fürs Leben



Wenn mir das Herz aufgeht, bis zum Hals schlägt – weil ich weiß, dass wir heute Teil eines großen, wunderbaren, Erlebnisses sein dürfen. Und mir das Wasser in den Augen steht, weil mir in dem Moment die Größe des Moments, des Versprechens das hier abgelegt wird, klar wird. Und ich fast nicht mehr schaffe, die Töne richtig aus der Flöte rauszubekommen, weil die Freude der 4 so groß ist, dass sie ansteckt und mich auch zum Grinsen bringt – dann erzähl ich von der Priesterweihe. 

Zwar hatte ich auch in Österreich (damals recht spontan) schon die Gelegenheit bei einer Priesterweihe dabei zu sein, aber damals hatte ich keinen persönlichen Bezug. Dieses Mal war es in der Hinsicht komplett anders – als wir ankamen waren die 4 noch Seminaristen, bei fast allen waren wir bei der Diakonweihe dabei, und jetzt gings ums große Finale bzw. den Anfang eines neuen Kapitels – die Priesterweihe. Da wir also schon einen schönen Teil des Wegs mitverfolgen konnten, waren wir auch gefühlstechnisch ganz anders involviert. 

Dementsprechend groß war auch die Vorfreude auf den Tag. Und um noch mehr Grund zu feiern zu haben, hatte man die Weihe auf den Festtag des 35-Jahr Jubiläums der Diözese gelegt. 

nur ein Teil des Klerus...
Für alle, die noch nie dabei waren: Wie läuft also eine Priesterweihe ab? Zum einen nehmen, soweit möglich, so viele wies geht vom Klerus teil. In diesem Fall also mindestens 30 Padres und mind. 15 Diakone unsrer Diözese + einige von Nachbardiözesen. Plus in diesem Fall, auch wg. Des Jubiläums, noch zusätzlich 2 Bischöfe. Daher ist das Beeindruckende schon mal der Einzug des gesamten Klerus. Die zu ordinierenden wurden von ihren Eltern oder engen Verwandten nach vorne geführt, und hatten ihren eigenen Platz direkt vorm Altar. 
 
Die 4 Kandidaten
Im Verlauf des Gottesdienstes folgen einige Schritte: Der Verantwortliche Priester wird befragt, ob er die Kandidaten für geeignet für die Weihe hält, ob die Ausbildung und Vorbereitung ausreichend war. Und er erzählt dann ein wenig vom Werdegang jedes Einzelnen, um schlussendlich die Eignung zu bestätigen. Der Bischof stellt dann jedem Einzelnen einige Fragen (die ich leider nicht auswendig wiedergeben kann), z.B. über die Bereitschaft des priesterlichen Lebens mit all den notwendigen Konsequenzen, über die Bereitschaft zum Gehorsam unter dem Bischof, die, je nach Frage mit „ich will“ oder „ich verspreche“ von den Kandidaten beantwortet werden.

Es folgt die Litanei aller Heiligen, während dieser die Kandidaten in der sogenannten „Prostratio“ liegen, d.h. bäuchlings, mit dem Gesicht zu Boden, die Hände unterm Kopf. 

Nach dieser erfolgt die Weihe an sich, das heißt der Bischof legt dem Kandidaten die Hände auf und spricht das Weihegebet. Die Geste der Handauflegung wiederholt der ganze Klerus.  

Es folgt die Anlegung des Messgewands, die Salbung der Hände mit Chrisam und die Übergabe der liturgischen Gefäße (Hostienschale, Zelebrationskelch). 

 
Lösung des Tuchs durch die Eltern
Was hier anders ist (und ich eine wunderschöne Geste finde): Nach der Salbung der Hände band der Bischof ebendiese mit einem Tuch zusammen. Die 4 begaben sich dann mit gefalteten, gebundenen Händen vors Volk, und ihre Eltern bzw. nahen Verwandten lösten den Knoten, um dann vom frischgeweihten Priester den allerersten Segen zu empfangen. 

Anschließend geht die Messe wie gewohnt weiter. Und noch ein spezieller Brauch: Dem neugeweihten Priester werden bis zu einer Woche danach die Hände geküsst - beginnend in der Messe mit Bischof und allen Padres, später auch von allen anderen. 

Wir hatten Glück – weil durch die Mitgestaltung im Musikteam hatten wir den Logenplatz, seitlich vom Altar, und das Meiste spielte sich direkt vor uns ab. Für mich wars auf jeden Fall sehr beeindruckend, die Freude, die Erleichterung der Kandidaten (und auch ihrer Eltern) sehen zu können. 
 Und man kann von der Kirche und dem Priestertum halten, was man will: Ich finde auf jeden Fall die Entschlossenheit, den Mut, eine doch recht radikale Entscheidung  für s Leben zu treffen, sich in einen „Beruf“ zu stellen der mehr Dienstleistung als jeder andere erwartet, sehr sehr bewundernswert. Natürlich ist auch klar, dass es nicht immer einfach wird und ohne Hindernisse abläuft. Denn der Weg ist mit der Weihe nicht abgeschlossen, im Gegenteil, eigentlich wird er jetzt beginnen.

Dienstag, 26. August 2014

Heiß ersehnt, lang erwartet – der Besuch der Österreicher! Und wir mittendrin

Was die Kultur hier von uns unterscheidet, ist, dass der Spruch „Aus dem Augen, aus dem Sinn“ hier überhaupt nicht gilt (gut, bei uns gilt er auch nicht immer, aber kommt schon vor). Im Gegenteil – wer einmal da war, und zumindest etwas mitgearbeitet und versucht hat sich einzugliedern, bleibt in Erinnerung. Zum Beispiel wird von  ehemaligen VoluntärInnen, die teilweise nur ein paar Monate da waren, und das vor einigen Jahren, immer noch erzählt. Viel mehr sind also die Padres, die länger da waren, in Erinnerung geblieben.
 
Als wir dann ein paar Wochen vorher wussten, wer definitiv kommt, war die Freude unter den Freunden hier groß. So kamen Erwartungen der Leute hier mit Erwartungen der Padres selbst zusammen, und Ben und ich durften zusammen mit Martin den Reiseplan der drei (2 Mönche und der Generalvikar) erstellen, wobei uns auch die Aufgabe übertragen wurde, zwei der Padres zu begleiten (falls sprachliche Probleme auftauchen sollten).

Donnerstag morgens also: abholen am Busbahnhof. Erste Überraschung als wir mit ihnen  in São Bento ankommen – das Portugiesich der beiden ist extremst gut! Wir dachten zwar, dass sie noch einiges wissen, aber so viel! Also die Aufgabe als Übersetzer fällt schon mal flach… Auf den Wunsch Davids wurde dann auch sofort João über die Ankunft der beiden informiert, der quasi alles liegen und stehen ließ, um sie zu begrüßen. 

Dann gings Donnerstags los – erstmal mit ner großen Begrüßungsrunde: Mittagessen beim Bischof, kurzes Hallo bei Martin, nachmittags Kaffee beim Pfarrer unsrer Pfarre (der ihnen auch das Pfarrauto lieh). Zum Ausspannen, und weil 12 Std. Busfahrt doch anstrengend sind, gings danach ab aufs Chacára der Diözese. Abends stand dann noch der Triduo an (Kurzform der Novene, nur 3 Tage).

Freitags wurde nicht von uns, sondern von Christian geplant – und fast obligatorisch bei einem Besuch hier, ist ein Besuch an den Wasserfällen. Damit man dort den Regenbogen bewundern kann, heißts früh aufstehen, also: Abfahrt um 6 Uhr! Überraschung war, dass Christian einen befreundeten Fazendeiro (Großbauern) mitgebracht hatte, der den ganzen Tag für uns durchorganisiert hatte. 
Also: Frühstück am Wasserfall, danach Besuch auf ner Kaffeefazenda, anschließend Besuch des Labors der Fundation mit Baumwollplantagen, Mittagessen in der Stadt, anschließend raus zu heißen Schwefelquellen inmitten einer traumhaften Landschaft. 

Heiße Quellen? Na gut, das Wasser hatte „nur“ 28 Grad oder etwas mehr, war aber echt traumhaft warm. Mitten überm Badebecken wuchs auch ne Bananenstaude, also müsste man nur aufstehen und pflücken – der Generalvikar meinte dann: „das nennt man Paradies“. Und gepasst hats insofern auch – denn der Weg dort hin war lang und holprig…  Resultat des gefüllten Tages: Obwohls schön war, fielen wir Abends todmüde ins Bett. 

Samstag wurden wir geführt – denn nachdem P.David ja doch ein paar Jahre hier war, wollte er uns dann auch die Plätze zeigen, die er noch kannte. Das heißt, wir fuhren vormittags in den „Nachbar“ort (40 min Weg) São Desiderio, und danach nach Sítio, was beides kleine, aber wunderschöne und echt malerische Orte sind. Dort gabs nen Badeort (unterhalb von Felsen, wunderschön klares Wasser), der „Deus me livre“, also „Gott bewahre“ (im Sinn von „halt mich da raus) hieß – wobei in Zusammenhang mit dem Badeort eher eine Übersetzung mit „befrei mich von den Sorgen“ passen würde – weils einfach nur schön und ruhig dort ist. Und außer uns niemand dort war.

Ab Samstag abends bis Sonntag mittags begann dann mit den Besuchern das Hauptprogramm der Festlichkeiten – Priesterweihe, Einweihung Memorial (Blogs folgen).
Und so schnell wies begann, war dann die Zeit auch wieder vorbei. Montags vormittag nutzten wir für den obligatorischen Kauf von
– und ab Montag Mittag saßen die Besucher auch schon wieder im Flieger.

Fazit: Geprägt von Schlafmangel (aufgrund einiger nächtlicher Ausflüge zwecks Sozialisierung und so), und unglaublich viel Spaß, wars eine absolut tolle Aufgabe, sich ein bisschen um den Besuch kümmern zu dürfen. Wobei wir erst dann merkten, woran wir uns hier schon gewöhnt haben, was aber für andere noch untypisch ist. Und für uns war auch genial, mit den Ausflügen einige neue Orte kennenzulernen, die wir bis dahin noch nie gesehen hatten (und für den Besuch einer Freundin Ende September nutzen können).




Montag, 18. August 2014

Die Ruhe vor dem Sturm

Und dann wurde es ganz ruhig um uns. Was nicht daran liegt, dass wir nicht gerne etwas geschrieben hätten, aber es war wirklich wenig Zeit. Denn Ende August sollten vier neue Priester geweiht, 35 Jahre Diözese gefeiert und ein Altar in einer neuen Kirche geweiht werden.

Vicky war von Anfang an als Querflöte für den Chor geplant. Meine Nominierung war lange Zeit ungewiss, weil eine Band aus LEM (Luis Eduardo Magalhaes) spielen sollte und wurde erst ein paar Stunden vor der ersten Probe bestätigt, wobei ich erst bei der ersten Probe feststellte, dass ich singen durfte und nicht Gitarre spielen musste (Gott sei Dank). Dazu kommt, dass ich hier normalerweise für die PASCOM (Pastoral der Kommunikation) tätig bin – Also Öffentlichkeitsarbeit, Webseitenadministrator, Fotograf, Grafiker, PC-Einkäufer… - Und so ein Fest wird natürlich maßgeblich von der PR-Abteilung beworben. Darüber hinaus wurden wir in die Programmgestaltung für die österreichischen Besucher eingeteilt.

Also gleich Dreifachspaß.

Chor

Manchmal versuchen wir ja unseren Perfektionismus abzulegen. Aber gerade in Sachen Musik fällt uns das sehr schwer. Vicky ist als Orchester-Flötistin und Chormitglied eine etwas andere Herangehensweise gewöhnt. Vor allem für eine 4-fach-Priesterweihe hatten wir erwartet, dass mindestens 2-3 Monate vorher die ersten Proben sind. Zum Glück war Vicky schon am Anfang so lästig, dass sie bereits zwei Monate vorher zumindest die Liedliste bekam und nach ein paar Stunden Recherche im Internet auch im Besitz der meisten Partituren. Mein Glück, denn ohne Noten hätte ich mir nicht zugetraut völlig unbekannte Lieder mitzusingen.

Leider ging es mir da nicht alleine so, nur… die anderen hatten weder Noten, noch konnten Sie welche lesen (Ist hier halt nicht so üblich). Und nur von der CD eine zweite oder dritte Stimme raushören… das kann dann doch nicht jeder. Dazu kam, dass die Band kurzfristig absagte und bei keiner der Proben alle Musiker da waren. Das erhöhte definitiv unseren Adrenalinhaushalt.

PASCOM

Die Arbeit hielt mich eher tagsüber auf Trab. Aber nur deshalb, weil ja abends schon Proben waren. Denn es gab diverse Veranstaltungen, Versammlungen usw. die alle nach einem Fotografen und Schreiberling schrien. Und die Bitte: „Würdest du darüber vielleicht ein paar Zeilen für die Internetseite schreiben“ verklang leider oft unerhört. Nebenher machte Vicky und ich eine Inventur für das Projekt Cata-Vento, dass ich noch für einen kleinen Bussinesplan brauchte.

Bei so vielen kleinen Baustellen, durfte aber auch ich ab und zu Raus um Fotos zu machen, z.B. vom Baufortschritt des Memorials für Dom Ricardo Weberberger. Hier sollte später dann der Altar geweiht werden und in der Woche vorher wurde noch fleißig geschraubt, gebohrt und gemalt.

Besucher

Der schönste Teil der Vorbereitung war die Planung von Unternehmungen für die Österreicher. P. Severin Lederhilger (Generalvikar der Diözese Linz) sollte von Ir. Sabina betreut werden und P. Siegfried sowie P. David aus Kremsmünster übernahmen Vicky und ich. Natürlich planten wir nicht alleine, sondern unter Absprache mit Martin und P. Christian, und natürlich mit den beiden Padres.

Am Ende hatten wir ein relativ dichtes Programm zusammengestellt, dass allerdings auch immer Zeit für Erholung enthielt. Alle Planungen mit brasilianischem Vorbehalt – Schau ma Mal.

Montag, 11. August 2014

Gheirat wird!

Heuer scheint ja irgendwie absolut das Jahr der Hochzeiten zu sein - zumindest was wir so über die sozialen Netzwerke mitbekommen. Und leider können wir bei einigen, auch aus dem Freundeskreis nicht dabei sein. Aber: Wir durften dafür in Brasilien bei einer Hochzeit mitfeiern! Und mehr noch - wir waren sogar in der Vorbereitung inkludiert sowie am Hochzeitstag selbst die Chaffeure der Braut(leute).

Also wie läuft eine Hochzeit hier eigentlich ab? In der Vorbereitung nicht viel anders wie bei uns: Kostenaufstellung, damit man ne Idee hat wieviel Geld man ausgibt, Gästeliste (die in jedem Land der Welt ein Gräuel ist),  Einladungen entwerfen und verteilen, Blumen, Essen organisisern... usw. Natürlich läuft hier nicht alles ganz so geplant ab wie drüben: Die Sachen Band, Kirche, Pfarrer, Wirtshaus, die bei uns mind. 1 Jahr vorher gebucht werden sollten, gehen hier auch locker ein halbes Jahr wenn nicht 3-4 Monate vorher. Und ansonsten... schaun dass man (zu?) viel selber macht, um Kosten zu sparen, und kurz vorher feststellen, dass doch noch was fehlt...

Am Hochzeitstag selber ein kleiner Unterschied: Die Bräute werden hier 2x am Tag in den Salon geschickt - der also nicht nur Friseur ist, sondern alles beinhaltet: Mani- und Pediküre, Massagen, am Nachmittag inklusive anziehn des Kleids usw. Also: einmal vormittags die Braut zum Salon. Während sie dort ist, erledigten wir noch kurz die ersten Grundeinkäufe des Brautpaars (um die uns der Bräutigam gebeten hatte), um sie danach ins neue Haus, in das sie direkt nach der Hochzeit einzogen, zu bringen.

Ben hatte dann nach dem Mittagessen auch alle Hände voll zu tun: er durfte erst mich zum Salon bringen, dann die Braut, dann mich holen, dann selbst zum Friseur... und interessanterweise blieb danach sogar noch genug Zeit für ihn zum Kaffee trinken und in Ruhe fertig zu werden.

Die Hochzeit selbst sollte eigentlich um 18 Uhr beginnen  - aber wies hier doch ab und zu mal üblich ist, verspätete sich der Beginn aufgrund fehlender, aber wichtiger Gäste. Ben durfte, nachdem er die Braut vom Salon geholt hatte, dann im Laufschritt in der Kirche nach vorne sprinten, da wir auch noch am musikalischen Part beteiligt waren. Schlussendlich gings dann doch los: Mit dem einzug der 8 Paten. Hier ist es durchaus üblich, dass man mind. 4 Pärchen als Trauzeugen hat. Danach kam der Bräutigam und zu guter letzt die Braut.

Was in Brasilien, oder genauer gesagt in dieser Diözese, zumindest bei den "normalen" Hochzeiten definitiv anders ist wie bei uns: Die Hochzeit ist nicht in den Messablauf eingebettet. Das heißt, sie ist auch wesentlich kürzer. Es gibt schon Lesungen, auch das Evangelium inkl. Predigt, aber danach folgt dann auch gleich der Trauungsritus. Durch die kürzere Zeit steht das Brautpaar auch die ganze Zeit und kniet nur während dem Segen des Priesters. Die beiden sind auch die Einzigen,  die die Kommunion empfangen. Das was dann lange dauert, ist der Teil mit den Unterschriften - weil jeder der Paten mit dem vollständigen Namen unterschreiben muss. Da die Namen hier aus ein bis zwei Vornamen, dem Nachnamen der Mutter und dem Nachnamen des Vaters bzw. des Ehemanns zusammengesetzt sind, kann ein vollständiger Name also schon mal bis zu 6 Namen beinhalten.

Nach dem Ritus ist das Brautpaar noch zum Fotografieren gefahren, während wir und die Hochzeitsgesellschaft uns in den Nebenstehenden Pfarrsaal begeben haben. Zum Essen gabs Fingerfood und später auch Torte.

Ansonsten: Musik, Tanz, Geschenke, und nochmal Fotos. Ein Brauch, den ich auch noch nicht kannte: Das zerschneiden der Krawatte des Bräutigams. Wobei die in diesem Fall von einem Freund von den beiden extra angefertigt wurde (also 2m Länge hatte), und dann ziehen 2 Freunde mit dem Bräutigam durch den Saal, und verhökern lautstark für Geld die einzelnen Bestandteile der Krawatte.

Im Großen und Ganzen - wars ein schönes aber etwas anderes Fest. Und auf jeden Fall ne Erfahrung wert!




Freitag, 1. August 2014

Was die Deutsche 11 kann, können wir schon lange... Verlängerung

Und sogar das Verhältnis stimmt fast, denn die National 11 hat beim Finalspiel gegen Argentinien die 90 Minuten auf 120 verlängert und in der 113 Minute das entscheidende Tor geschossen. Aufgrund unserer Visumsverzögerung verkürzte sich unser Aufenthalt hier auf 9 Monate und jetzt sind es rund 12 Monate. Um genau zu sein, werden es 350 Tage (11 Monate und a bisserl) sein, wenn wir in Salvador den Flieger Richtung München besteigen und 351 Tage, wenn wir in München landen.

Dieser Fußballvergleich musste sein, im Land der Fußball-WM, die uns deutschen noch ein paar Tage in Erinnerung bleiben wird. Für die österreichischen Freunde: Vor 35+1 Jahren hattet auch ihr euren Spaß, aber darüber will ich jetzt nicht sprechen.

Wie kam es? Im Laufe der ersten Halbzeit des Sabbatjahres wechselte ich von der Stürmerposition ins Mittelfeld und wechselte anschließend in die Verteidigung. Vicky verhielt sich genau andersherum. Noch in der ersten Halbzeit versuchte sie sich durch eine ausgeklügelte 1-1-8 Defensiv-Strategie (Ben im Sturm) vor jeglicher Sehnsucht nach Bayern und Österreich zu schützen. Anders als die brasilianische Seleção ließ sie sich aber nach den ersten Treffern des Gegners nicht verunsichern und stellte gekonnt auf eine Neuer-Löw-Offensiv-Strategie (7-2-1+1) um.

Dadurch konnte sich der Wunsch einer Verlängerung manifestieren. Als ich dann meine Mittelfeldposition (Unentschiedenheit) aufgab und mich auf die Verteidigung konzentrierte, konnte Vicky schnell alle Zweifel (unser größter Gegner) mit ihrem Angriff ausspielen. Auch als dieser einmal doch an den Ball kam und auf die Verteidigung zuraste konnte ich diese dank der überzeugungskraft der eigenen Teamkollegin blocken und den Ball wieder unter Kontrolle bringen. Konkret durfte ich das Telefongespräch mit meinem Chef und mit der Fluggesellschaft führen. Zumindest bei der Fluggesellschaft war die Begründung: "Weil dein Deutsch besser ist als meins" - na das ist doch Mal was.

Weitere Spieler in diesem packenden Match waren: Markus Knorr von der SHS-VIVEON, der den vertraglichen Weg für die Verlängerung bereitete; Diakon Martin Mayer und Diakon João Batista Magalhães die sich geduldig zuhören und immer wieder ermutigen; Ullrich Dreistein, der sich mit seinem Team immer Zuverlässig um unsere Versicherungen kümmert; All unsere Freunde hier in Brasilien und in Deutschland sowie Österreich, die den Kontakt mit uns pflegen und hegen und natürlich unsere Eltern und Geschwister.

Keine Frage, wir freuen uns darauf, wieder zurück zu kommen, aber es ist auch ein schönes Gefühl noch ein wenig Zeit mit den Menschen hier zu verbringen.

PS: Alle Fußballfans bitte ich vielmals um Entschuldigung für den leichtfertigen Einsatz von Fußballbegriffen in diesem Artikel.